90 Jahre Posaunenchor Bondorf

90 Jahre – und kein bisschen leise

 

Der Posaunenchor Bondorf darf dieses Jahr seinen 90. Geburtstag feiern! Im Jahr 1926 von Wilhelm Rühle mit 4 Bläsern gegründet zählen wir heute 45 aktive Bläserinnen und Bläser mit einem jungen Altersdurchschnitt von 37 Jahren und einer beachtlichen Frauenquote von 33%. Und alle sind begeistert dabei, mit möglichst guter musikalischer Qualität unser Anliegen umzusetzen: Gott loben, das ist unser Amt! Wir haben dieses Jahr bereits zwei Highlights hinter uns: den deutschen evang. Posaunentag in Dresden und den Landesposaunentag in Ulm, bei dem wir auch ein Konzert gegeben haben. Zu guter letzt gab es am 10.07.2016 einen Festgottesdienst mit einem „kleinen Ulm abschluss“:-))

 

Artikel Gäubote vom 09.07.2016———————————————–

„90 Jahre und kein bisschen leise“

Bondorf: Posaunenchor bildet selbst nach so langer Zeit immer noch eine „frohe Gemeinschaft“

ZoomEin Blick zurück auf 90 Jahre des Bondorfer Posaunenchors GB-Fotos: gb

„Im Bondorfer Posaunenchor wird die Hälfte der Zeit gelacht“, dieser Ausspruch eines auswärtigen Posaunisten wurde von Richard Hiller zum 60-jährigen Jubiläum zitiert. Einiges hat sich seitdem verändert, doch die gute Stimmung ist geblieben.

Petra Gieseler

„Wir sind froh und dankbar, dass wir dieses stolze Alter erreichen konnten. Wir können sagen: Unser Verein ist 90 Jahre und kein bisschen leise“, sagt Matthias Kreutz, seit 2003 Leiter des Posaunenchors in Bondorf. Bei einem solchen Jubiläum stehen oft Zahlen und Fakten im Vordergrund. Doch in erster Linie sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, die dazu beitragen, dass etwas lange Zeit Bestand hat. Bis heute herrscht ein gutes Klima unter den Musikern.

Der Posaunenchor Bondorf ist eine Gruppe des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM). „Die Menschen bei uns im Posaunenchor haben Freude an der Blechbläser-Musik und wollen damit anderen Menschen Freude bereiten und zu Gottes Lob und Ehren spielen“. Es ist eine christliche Gemeinschaft. Jede Chorstunde endet mit einer kurzen Andacht und einem Gebet. Offen sind sie im Laufe der Jahrzehnte geworden, die Blechbläser des CVJM. Das war nicht immer so.

Mittlerweile ist es auch üblich, dass Musiker anderer Gemeinden in Bondorf konzertieren. Aktuell sind die Ortschaften Öschelbronn und Eckenweiler mit je zwei Bläsern vertreten. Friedhelm Werner, Chorleiter von 1976 bis 2003, erweiterte das musikalische Repertoire und brach mit der Tradition, dass nur Männer als Mitglieder des Posaunenchores zugelassen waren: In Dagmar Seitz hielt 1981 eine Frau Einzug in die Männerdomäne und ebnete den Weg für die 15 Bläserinnen, die bis dato ihren Platz im Chor gefunden haben. Seit 71 Jahren ist er dabei und spielt die Alt-Trompete: Richard Hiller, mit 84 Jahren das älteste Mitglied der insgesamt 45 Musiker, zu denen auch die Nachwuchsbläser zählen, die in diesem Jahr offiziell in den Chor übernommen wurden.

In erster Linie musiziert der Posaunenchor bei Gottesdiensten und Konzerten. Darüber hinaus findet das sogenannte Kurrende-Blasen im Krankenhaus Herrenberg statt.

Begleitet werden auch Veranstaltungen der bürgerlichen Gemeinde, Hochzeiten, Beerdigungen und Geburtstage. Etabliert sind die Bläser-Serenade zum Kirchplatzfest der evangelischen Kirche Bondorf, das Adventskonzert in der Remigiuskirche, der Christustag in Herrenberg sowie die Teilnahme am diesjährigen Landesposaunentag in Ulm, der alle zwei Jahre stattfindet. Ein Konzert in der Justizvollzugsanstalt Ulm und das Platzkonzert „am Fischerplätzchen“ im Rahmen von „Ulm klingt“ standen in diesem Jahr ebenfalls auf dem Programm. Ein besonderes Ereignis für 20 Bondorfer Bläser war die Teilnahme beim zweiten Evangelischen Posaunentag Anfang Juni 2016 in Dresden. 20 000 Bläser aus aller Welt trafen sich hier zum weltgrößten Bläserevent: Am „Königsufer“, auf der einen Elbseite und auf der „Brühlschen Terrasse“, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses, standen sich zur Abendstunde „Große Posaunenchöre“ und ein „Kleiner Jugendposaunenchor“ gegenüber, um „die Suite über die Elbe“ von Dieter Wendel im jeweiligen Wechsel zu spielen. Für alle ein Erlebnis, das unter die Haut ging.

Matthias Kreutz ist ein umtriebiger Chorleiter. Die Kirchplatz-Serenade hatte er in Zusammenarbeit mit dem Musikverein eingeführt. Ebenso sind beide Bläsergruppen Bestandteil des jährlichen Adventssingens und -spielens im Hof der Zehntscheuer. Die Brücken von der weltlichen zur kirchlichen Musik zu schlagen, war ihm ein großes Anliegen. „Der Umgang der jeweiligen Musiker untereinander ist seither anders geworden“, bestätigt Kreutz, der von sich sagt, dass er im Posaunenchor groß geworden sei. 41 von 54 Lebensjahren spielt Kreutz bereits Posaune.

Ob es bislang das fünfte oder sechste Instrument ist, vermag er nicht zu sagen. Matthias Kreutz ist C-Kirchenmusiker und hat eine Vision: „Es ist vorstellbar, eine reine Erwachsenen-Nachwuchsgruppe zu gründen“, verrät der Vollblut-Posaunist. Eine Basisausbildung, bei der auch das Notenlesen erlernt werden soll, schwebt ihm vor. Ist ein eigenes Instrument vorhanden, kann es mitgebracht werden. Falls nicht, stellt der Posaunenchor eines zur Verfügung. „Wir freuen uns über Nachwuchs – ob jung oder in fortgeschrittenem Alter“, bekräftigt Kreutz.

Zeit und Muse sind erforderlich, um erfolgreich in dieser traditionsreichen Bläsergruppe zu musizieren. Was fasziniert und motiviert den aktuellen Leiter? „Wenn man nach einem intensiven Probentag ein Stück perfekt spielen kann und es ein super Sound ist, wenn man das Engagement der Gruppe spüren kann, dann weiß man, wofür man das alles macht.“ Die „frohe Gemeinschaft“ schaut indes getrost in die Zukunft.

 

Artikel Gäubote 12.07.2016——————————————————————-

„Wenn die spielen, zieht es einen hin“

Bondorf: Der Posaunenchor begeht mit viel Musik und zahlreichen Gästen sein 90-jähriges Bestehen

ZoomBeim Posaunenchor Bondorf gibt es keine Nachwuchssorgen GB-Foto: Holom

 

Mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche in Bondorf und einem Empfang im Kirchhof wurde am Sonntag das 90-jährige Bestehen des Posaunenchors gefeiert. Die Mitglieder gaben vor der begeisterten Gemeinde ihr musikalisches Können zum Besten.

Anke Kumbier

Schon den Festgottesdienst unterstützt der Posaunenchor tatkräftig und erntet dafür kräftigen Applaus. Für den Empfang im Kirchhof kündigt Dirigent Matthias Kreutz ein „Mini-Ulm“ an – eine Reminiszenz an den im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Ulmer Landesposaunentag. Nach dem Gottesdienst zieht es alle hinaus in den Schatten der großen Bäume hinter der Kirche. Dort warten bereits mit Blumen geschmückte Stehtische und ein kleines Büfett. „Der Posaunenchor nimmt für uns eine große Bedeutung ein“, erklärt ein Bondorfer Ehepaar. „Wenn die spielen, zieht es einen hin“, bekräftigt die Ehefrau, und ihr Mann fügt hinzu: „Ihre musikalischen Inhalte sind wertvoll und gehaltvoll. Sie haben mir mit ihren Liedern viel Freude bereitet.“

Ein Stück Heimat

Drei Bondorferinnen, die sich bei einem Stück Hefezopf unterhalten, haben alle mehrere Familienmitglieder, die Teil des Posaunenchors sind oder waren. „Der Chor ist für mich ein Stück Heimat“, sagt eine der Frauen. Ihr Vater habe ihn sogar vor vielen Jahren geleitet. Bei Beerdigungen sei sie mit dem Rad durchs Dorf gefahren, um den Mitgliedern Bescheid zu geben, dass sie gebraucht würden. Kreutz meint im Hinblick auf die 90-jährige Vergangenheit des Chors, dass er mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein, den Chor am Leben zu erhalten, und viel, viel Spaß auf seine ehrenamtliche Arbeit blicke. „Der Spaß ist wichtig, damit immer wieder Neue kommen. Wir wollen offen sein und Freude vermitteln“.

An Nachwuchs mangele es nicht. Von den 45 Spielern seien sieben Nachwuchsbläser, die dieses Jahr in den Chor übernommen werden. Die zweieinhalbjährige Ausbildung der Musiker, bevor sie in den Chor aufgenommen werden, bestehe aus drei Elementen, erklärt der Leiter: Die Bläser nehmen Unterricht bei einem Profimusiker, zudem lernen sie das Spielen im Gruppenunterricht und werden währenddessen laufend in den Posaunenchor inte griert. „Wir passen die Stimmen an das Können der Musiker an.“ So könne der Nachwuchs nach und nach immer mehr Konzertluft schnuppern.

„Wir fühlen uns in der bürgerlichen und christlichen Gemeinde sehr wohl“, betont Kreutz und lässt seinen Blick über die Menge schweifen. Die zahlreichen Gäste zeigten, dass der Chor ein gut integriertes Mitglied der Gemeinschaft in Bondorf sei. „Der Posaunenchor ist ein unverwechselbares Markenzeichen für unsere Gemeinde und für unsere Art und Weise, Gott zu loben“, findet Pfarrer Dr. Manuel Kiuntke. Die Atmosphäre im Gottesdienst werde durch die Musik besonders festlich. „Für mich ist das wie ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel.“ Außerdem hebt der Pfarrer das Engagement der Mitglieder hervor. Manche unterbrächen extra ihre Arbeit, um auf dem Friedhof bei Beerdigungen zu spielen. „Das ist ganz wichtig und aller Ehre wert.“

Gut aufgestellt

Auch Bürgermeister Bernd Dürr ist voll des Lobes für den Posaunenchor: „Er ist eine große musikalische Bereicherung.“ Er wirke nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch bei vielen anderen Anlässen mit. 90 Jahre seien eine lange Zeit. „Es ist wichtig, dass nicht nur die Historie betrachtet wird. Wichtig ist auch, dass wir mit Dirigent und Musikern gut aufgestellt sind“ – also so, wie das derzeit der Fall sei. Die Musiker selbst erzählen davon, dass sie im Chor Gemeinschaft erleben, und von der Gelegenheit, Freude an der Musik zu erleben.

Diese Freude vermitteln sie zum Abschluss noch einmal dem Publikum. Im Kirchhof stellen sich die Bläser auf – und nun wird klar, was sich hinter der Ankündigung „Mini-Ulm“ verbirgt. „Zum Abschluss des Landesposaunentags in Ulm kommen 8 000 bis 9 000 Bläser zum Abschlussblasen zusammen“, erläutert Kreutz. Das Abschlussblasen sei immer gleich. Wie genau es abläuft, präsentieren die Musiker nun in Bondorf anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens: Nach zwei Strophen „Nun danket alle Gott“ beginnen die Kirchenglocken zu schlagen. Einige Zeit lauschen die Bläser und Gäste dem mächtigen Läuten, dann setzt der Posaunenchor mit „Gloria, sei dir gesungen“ von Johann Sebastian Bach ein. Glocken- und Bläserklang verbinden sich zu einer kraftvollen Einheit.