„Ich möchte in den Ort hineinwirken“

Bericht im GÄUBOTE, vom 03.07.2021

Thomas Morawitzky
Das Zelt steht schon: Daniel Handte und Sohn Lias sind vorbereitet GB-Foto: Vecsey
Das Zelt steht schon: Daniel Handte und Sohn Lias sind vorbereitet GB-Foto: Vecsey

Wenn der Vater mit den Kindern. Dann sind sie weg, für ein paar Tage, erleben Abenteuer, generationsübergreifend, zum Beispiel auf dem CVJM-Gelände bei Holzgerlingen – sie grillen, wandern, basteln und spielen, während die Mutter, zu Hause, einmal tief Ruhe und Kraft schöpfen darf. In Bondorf gab es so etwas bislang noch nicht: Ein Vater-Kind-Camp, draußen in der Natur macht nun Daniel Handte möglich.

Im Garten eines Bondorfer Hauses steht ein Zelt, aufgebaut zur Probe. „Eigentlich“, sagt Daniel Handte, „wollte ich ein eigenes Zelt anschaffen, aber dann hat mir der Schwiegervater ausgeholfen.“ Und so also bekam Lias, Daniel Handtes fast zweijähriger Sohn, in dieser Woche zum ersten Mal in seinem Leben ein Zelt zu sehen. Im Juli wird er eine größere Anzahl dieser provisorischen Unterkünfte entdecken dürfen, auf dem Gelände des CVJM Holzgerlingen – denn dorthin geht die Reise, vom 23. bis zum 25. Juli, beim ersten VaKiLa Bondorfs.

Ein VaKiLa, dies muss man wissen, hat nichts zu tun mit einer seltsamen Herrenhaartracht der 1980er Jahre. Die Abkürzung steht für Vater-Kind-Lager. Nicht nur Väter und Söhne ziehen dabei hinaus, an den Rand der nahen Kleinstadt Holzgerlingen, um dort, auf einem Gelände, das mit Duschen, Sanitäranlagen, Küche ausgestattet ist, zweieinhalb ungewöhnliche Tage zu erleben – auch die Töchter dürfen mit.

Zu Hause bleiben müssen allein die Mütter – eine Triple-win-Situation im Quadrat gewissermaßen, so wie Daniel Handte sich das vorstellt: „Die Papas haben Zeit für die Kinder, die Kinder haben die Papas, die Papas haben andere Papas, mit denen sie Männersachen besprechen können, und die Mamas haben ein freies Wochenende.“ Der Wahl des Lagerplatzes liegt Kalkül zugrunde: Holzgerlingen sei nicht aus der Welt, erklärt Handte, dort könne man eine Mama in Notfall doch noch herbeirufen – andererseits ist Holzgerlingen doch auch so weit von Bondorf entfernt, dass sie kaum je zufällig vor dem Zelt stehen könnte.

Daniel Handte ist 37 Jahre alt, arbeitet für einen bekannten Automobilhersteller der Region, und lebt seit 2013 mit seiner Familie in Bondorf. Seine Frau wurde im Ort geboren, er selbst stammt aus Ofterdingen, in dem sein Bruder Simeon vor Jahren schon mit großem Erfolg ein Vater-Kind-Lager ins Leben rief. In Bondorf gab es Vergleichbares noch nie – Handte ließ sich vom Erfolg seines Bruders inspirieren. Aber nicht nur dies. „Ich habe gesehen, dass es bei ihm läuft“, sagt er. „Ich hatte das Gefühl, dass diese Sache nun gefragt ist. Für mich ist es wichtig, etwas Sinnvolles zu tun. Ich möchte nicht einfach etwas machen, das ich von anderen übernommen habe. Es ist schön, zu sehen, wie etwas wächst.“ Und natürlich geht es Handte, als Zugezogenem, auch darum, andere Papas Bondorfs zu erreichen – „Ich möchte in den Ort hineinwirken“, sagt er. „Das wurde mir aber erst später bewusst. Vor allem geht es mir darum, dass alle Beteiligten eine schöne Zeit haben.“

Vor einem Jahr machte Daniel Handte sich daran, diesen Plan umzusetzen. Im CVJM Bondorfs war er zuvor schon auf unterschiedliche Weise aktiv. „Alleine wollte ich das nicht machen“, sagt er. „Ich habe also versucht, zwei Menschen zu finden, die mit dabei sein würden.“ Er fand, sehr schnell Jens Gerle und Friedhelm Kußmaul, beide ebenfalls aktiv im CVJM, letzterer Gemeinderat in Bondorf.

Seit Februar trifft sich dieses Team im Abstand von zwei Wochen, abends, hat erst Zeitpunkt und Platz für das Lager ausgewählt, klärt nun die Details. Geht es dann hinaus auf die Wiese, werden zwei weitere Helfer mit dabei sein, die sich um die Küche kümmern – „Wir wollen nicht nur arbeiten, sondern auch Zeit für unsere eigenen Kinder finden.“ Einige der Papas werden sich zudem um Einkäufe, Getränke kümmern.

15 Väter haben sich bereits angemeldet, hinzukommen all ihre Kinder und das Leitungsteam, ebenfalls mit Nachwuchs – exakt das Maximum, das die Planer sich vorstellten: „Das ist Neuland für uns. Wir organisieren das zum ersten Mal, wir müssen noch Erfahrungen sammeln.“ Beim Vater-Kind-Lager in Ofterdingen gibt es jährlich insgesamt fast 90 Teilnehmer. Das Alter der Kinder liegt, ungefähr, zwischen drei und zehn Jahren. „Für ältere Kinder“, meint Daniel Handte, „ist es ja nicht mehr interessant, mit den Fünfjährigen zu spielen.“

Am bunten Programm für die hoffentlich sonnigen Tage in Holzgerlingen arbeiten Daniel Handte, Friedhelm Kußmaul und Jens Gerle noch. Stockbrotbacken und Spiele, eine Fackelwanderung und Lagerfeuergeschichten, Wassermelonensnack und Ausflug, all dies soll sich, nebst biblischen Geschichten, auf diesem Programm finden. Und das Bondorfer Vater-Kind-Lager soll natürlich, in kommenden Jahren, seine Fortsetzung finden, in Holzgerlingen oder anderswo: „Es gibt genügend Plätze, die dafür geeignet sind. Man kann auch mal wechseln“, sagt Daniel Handte, der sich mit der Planung, Umsetzung, der Veranstaltung dieses Projekts selbst keineswegs überfordert fühlt: „Ich nehme mir die Zeit einfach.“

THOMAS MORAWITZKY

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